Digitale Wertgegenstände sind the Next Big Thing

2. April 2022

Das Schweizer Blockchain- und Krypto-Geschäft steckt voller Entwicklungen und Innovationen.
Welche das sind und was die Tokenisierung bewirken kann, erläutert Daniel Rutishauser von Inacta.


Herr Rutishauser, Web 3.0 und Metaverse sind in aller Munde. Worum handelt es sich hierbei und welche Unterschiede gibt es zu Vorgängerversionen?

Als das World Wide Web eingeführt wurde, haben Firmen Homepages erstellt und damit zum Beispiel ihr Sortiment vorgestellt. Heute wird eine Firma ohne Homepage gar nicht mehr gefunden. Als man die Programmierbarkeit entdeckt hat, wurde mit dem Web 2.0 alles interaktiver, Web-Applikationen hielten Einzug und die Plattform-Ökonomie entstand. Dazu kommt on top nun das dreidimensionale Web 3.0, wo unter anderem mithilfe von Blockchain Wert-Transfers sicher vollzogen werden können.

Was ist der wichtigste Nutzen des Web 3.0?

Ein grosser Vorteil liegt darin, dass das Web 3.0 das Individuum ins Zentrum stellt. Wir haben mehr Dezentralisierung, werden mit Kryptowährungen bezahlen und Daten besser schützen können. Dank Web 3.0 können die grossen Plattformen die Daten nicht mehr einfach so absaugen, da sie maskiert sind. Dazu kommt, dass wir immer häufiger eine Vermischung zwischen dem Digitalen und Physischen haben. Mit Augmented Reality werden wir beispielsweise ständig mit zusätzlichen Informationen gefüttert werden; und ohne diese, werden wir uns schnell quasi nackt fühlen.

Die Tokenisierung von Vermögenswerten hat an Fahrt aufgenommen. Welches Potenzial steckt in Tokens?

Wir unterscheiden verschiedene Varianten: Das eine sind die Payment-Tokens, also die Kryptowährungen, dann die Utility-Tokens, die Zugang zu einem Angebot gewähren und die Asset-Tokens. Letztere repräsentieren, vereinfacht gesagt, Wertpapiere, die kryptografisch gesichert auf der Blockchain als Tokens herausgegeben werden. Diese auch als Security-Tokens bezeichneten Finanzinstrumente können allerdings bislang ihre Vorteile noch nicht ganz ausspielen. Künftig werden wir einige Security-Tokens auch ausserhalb der Bankenwelt lagern und handeln. Damit entfallen nicht nur die Depot-Gebühren, auch wird man höchst effizient 24/7 handeln können.

Inwieweit sind Schweizer Banken bereits auf diesen Zug aufgesprungen?

Wir haben in der Schweiz eine sehr gute Gesetzesgrundlage. Das heisst, man kann etwa Aktien auf der Blockchain halten und übertragen und muss nichts mehr auf Papier festhalten. Seit August haben wir zudem ein neues Finanzmarktrecht. Da gibt es nun eine Lizenz für neue DLT-Handelssysteme, über die Profis direkt digitale Assets handeln können, ohne angeschlossene Banken miteinbeziehen zu müssen. Jüngst springen nun auch viele Retail-Banken auf den Zug der Digital Assets auf. Meiner Meinung nach haben aber die Banken noch nicht realisiert, was mit dem sogenannten Dezentralen Finanzwesen, kurz DeFi, auf sie zukommt, wo Smart Contracts, also Software, Finanzgeschäfte automatisch abwickeln.

Dies bedeutet für die Banken ein hohes Mass an Weiterbildung …

Das stimmt. Seit mehr als zwei Jahren bilden wir von Inacta Banken aus – in erster Linie auf GL- und VR/Bankratsebene. Bereits nach den ersten 30 bis 45 Minuten sind die meisten dann Feuer und Flamme. Neben den Schulungen befassen wir uns mit der Konzeption und Umsetzung. Für einige Bausteine hat die Inacta Tochterfirmen gegründet, die sich nur auf diese Lösungen konzentrieren, so wie Tokengate auf die Tokenisierung, inapay, um Kryptozahlungen zu ermöglichen, oder ProofX mit Spezialisierung auf Produkt-Authentizität und lückenlose Nachweise, was wann in der Lieferkette vom Ursprung weg passiert.

Die Comic-NFTs des Bored Ape Yacht Club (BAYC) zählen zu den derzeit begehrtesten NFT-Kollektionen im Netz.

Im Interview: Daniel Rutishauser

Partner, Head DLT & Financial Services Inacta AG

Ein weiterer Trend sind sogenannte NFTs, also Non-Fungible Tokens. Was ist das und wofür können sie genutzt werden?

Ein NFT ist wie ein digitales Zertifikat für einen Besitzanspruch, den jemand über etwas hat, das einzigartig und nicht austauschbar ist. Mit einem NFT kann ich beweisen, dass ich der Besitzer bin. Das ist zum Beispiel für Ausbildungszertifikate wertvoll. Momentan wird viel Geld für NFTs in Form von digitaler Kunst und Sammlerstücke bezahlt. Wir sind der Überzeugung, dass digitale Kunst für die immer mobilere Gesellschaft dauerhaft interessant wird. Daneben können NFTs aber auch im Bereich der Kundenbindung eingesetzt werden und ihnen kommt im Metaverse eine zentrale Rolle zu.

Vor welchen Herausforderungen steht die Schweiz, um für die vielen Innovationen gewappnet zu sein?

Die Schweiz ist gut unterwegs. Wir haben die Gesetzgebung für das Finanzumfeld geebnet, was nun viele Firmen in die Schweiz lockt. Doch haben wir ein verschärftes Problem Talente zu finden. Wir müssen weiter innovativ bleiben! Ich lade alle ein, möglichst früh innovative Technologien auszuprobieren, um vor der Konkurrenz die Lernkurve zu durchlaufen, damit unsere Kinder spannende Jobs ausüben können.


ÜBER INACTA

Die 2009 gegründete Inacta AG mit Sitz in Zug ist ein unabhängiges Schweizer IT-Unternehmen. Mehr als 100 erfahrene Digitalisierungsexperten unterstützen Organisationen aus der Versicherungs-, Banken-, Immobilien und Gesundheitsbranche. Als langjähriger führender Technologie-Anbieter setzt Inacta auf state of the art Methoden und führt zahlreiche Blockchain-Projekte weltweit an.


Artikel erschienen im Tagesanzeiger Unternehmen: Digitale Wertgegenstände sind the Next Big Thing